Schreibschule150Fritjof Haft: Juristische Schreibschule

236 S., Normfall ISBN 978-3-00-027793-1, Juni 2009
Preis: 24,90 € inkl. MWSt

Dieses Buch behandelt erstmals alle Aspekte des juristischen Schreibens, eine Tätigkeit, die jeder Jurist praktizieren muß, die aber in der juristischen Methodenliteratur bislang allenfalls (unzureichend) im Zusammenhang mit Klausuranleitungen behandelt worden ist. Dargestellt werden unter dem Aspekt des Schreibens der zu bewältigende Gegenstand, nämlich die „Sache Recht“, deren Besonderheit, die stets zu bewältigende Komplexität, der anzusprechende „juristische Leser“, das „Strukturieren“, welches das stärkste (und am wenigsten genutzte) Überzeugungsmittel in juristischen Texten ist, sowie „Strategie und Taktik“ beim juristischen Schreiben. Der Horizont ist dabei interdisziplinär weitgespannt. Erkenntnisse aus Informatik, Sprachwissenschaft, Kommunikationstheorie, Sozialpsychologie und weiteren Gebieten werden nutzbar gemacht. Ausflüge in die Literatur lockern die Darstellung auf.

Der Autor, früher Ordinarius an der juristischen Fakultät und an der Fakultät für Informations- und Kognitionswissenschaften der Eberhard Karls Universität Tübingen, ist heute Geschäftsführer der von ihm gegründeten Normfall GmbH in München, eines IT-Unternehmens, welches Software für Juristen entwickelt und vertreibt. Haft ist bekannt für seine Fähigkeit, komplizierte Themen mit leichter Hand anschaulich und witzig darzustellen. In diesem Buch hat er den Ertrag seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit juristischen Methodenfragen unter dem Aspekt des Schreibens veröffentlicht.

Textauszug aus der Einleitung zur Juristischen Schreibschule von Fritjof Haft:

.. Ich habe mich viele Jahre theoretisch und praktisch mit dem Strukturdenken beschäftigt, ohne Computer (so bei meiner Beschäftigung mit Rhetorik, Verhandlungslehre und juristischen Lerntechniken) und mit dem Computer (so bei der Entwicklung der Rechtsinformatik, die ich fast von Anfang an mitgestaltet habe). In diesem Buch stelle ich meine Erfahrungen zusammenfassend dar. Und so gehe ich vor:

Zunächst beschreibe ich den Gegenstand, mit dem wir Juristen es zu tun haben. Dieser Gegenstand weist Besonderheiten auf, die es anderswo nicht gibt. Er ist komplex, und Komplexität überfordert uns. Diese Schwierigkeit müssen wir überwinden.

Danach beschreibe ich das juristische Publikum. Bei allen kommunikativen Tätigkeiten, insbesondere beim Schreiben, ist es wichtig, sich klarzumachen, an wen man sich jeweils wendet. Ein Krimiautor schreibt für die breite Masse im allgemeinen und für Taxifahrer in der Warteschlange vor dem Flughafen im besonderen. Ein Poet wendet sich an empfindsame Seelen, die ein Tautropfen im morgendlichen Sonnenlicht zu Tränen rührt. Ein Ikea-Schreiber hat Millionen von Heimwerkern vor Augen, deren Anliegen es ist, die Rückwand des Regals Billy richtig herum und möglichst daumenschonend anzunageln. Aber für wen schreibt der Jurist? Das ist eine schwierige Frage, die ich als zweites beantworten will.

Sodann kommt das Strukturieren. Ich kann dieses Thema erst behandeln, wenn ich die beiden erstgenannten Aufgaben erledigt habe. Erst wenn man sich klar gemacht hat, womit man es als Jurist zu tun hat, und an wen man sich wendet, ist es sinnvoll, sich mit dem Strukturieren zu befassen. Was ist das – Strukturieren? Was hat es mit der juristischen Praxis zu tun? Welchen Nutzen bringt es? Wie kann man es erlernen? Und welche Hilfsmittel stehen einem dabei zur Verfügung? Das sind die Fragen, auf die ich Antworten gebe. Ich betrete damit Neuland. Das interdisziplinäre Thema Strukturieren ist zwar in der jüngsten Vergangenheit im Zusammenhang mit „Lean Communication“ verschiedentlich behandelt worden... Ich selbst habe im Jahre 1985 ein Buch zu diesem Thema veröffentlicht... Mit Blick auf die Bedürfnisse der Rechtspraxis ist das Thema aber bislang noch nicht behandelt worden. In der umfangreichen juristischen Methodenliteratur spielt es keine Rolle. Das ist erstaunlich, geht es im Recht doch darum, Komplexität zu bewältigen und dabei zu überzeugen – alles Tätigkeiten, bei denen das Strukturieren von zentraler Bedeutung ist. Das Strukturieren betrifft sowohl die produzierenden Tätigkeiten des Schreibens und Redens als auch die reproduzierenden Vorgänge des Lesens und Hörens. Es ist also für die gesamte mündliche und schriftliche Kommunikation im Recht von Bedeutung. Betrachtet man, wie sich das rechtstheoretische Schrifttum ganz allgemein mit diesen vier Tätigkeiten befasst, erkennt man... ganz unterschiedliche Schwerpunkte, wobei das Strukturieren, wie gesagt, so gut wie nirgendwo behandelt wird.

Zum Schluß gehe ich auf Strategie und Taktik des juristischen Schreibens ein. Auch dieses Thema wurde bislang kaum beachtet. Dabei ist jeder Rechtsstreit eine Auseinandersetzung, die strategisches Genie und taktisches Geschick erfordert.

Hinter alldem steht das Anliegen, der besseren Sache zum Recht zu verhelfen. Es geht also um Gerechtigkeit, aber ganz ohne große Worte. Und weil das Thema trocken und anstrengend ist, werde ich zur Auflockerung immer wieder kleine Geschichten aus dem wirklichen Leben einfügen.